Behandlung der benignen Prostatahyperplasie (BPH) mit Botulinumtoxin A (BTx A, BoNT)
Januar 2010: A. Oeconomou und H. Madersbacher (Department of Urology, University of Thessalia School of Medicine, Larissa, Greece) veröffentlichten eine Arbeit über die Anwendung von Botulinumtoxin A bei urologischen Symptomen durch die benigne Prostatahyperplasie. Die Injektion von Botulinumtoxin A in die Prostata ist eine alternative, minimal-invasive Behandlung der Symptome des unteren Harntrakts bei gutartigem Prostatawachstum. Diese Botox®-Behandlung gewann zunehmendes Interesse der Urologen innerhalb der letzten Jahre, obwohl diese Behandlung zum Zeitpunkt der Arbeit nicht zugelassen ist. Die Forschungsarbeit fasst die Wirkungsmechanismen von Botulinumtoxin im Sinne der Hemmung des Fortschreitens der benignen Prostatahyperplasie und der damit zusammenhängenden Symptome an den unteren ableitenden Harnwegen nach Tierversuchen zusammen. Die Effektivität und die Sicherheit der Botulinumtoxin-Injektion nach verschiedenen Protokollen werden. Die Studien zeigen eine Entspannung, Degeneration und Größenabnahme nach Hemmung des autonomen Nervensystems durch Botulinumtoxin (BTx A, BoNT). Ein weiterer symptomreduzierender Mechanismus könnte eine unterdrückte Sensorik von der Prostata zu den Spinalnerven sein. Klinische Studien berichten über eine Symptom-Entlastung und eine Verbesserung der gemessenen Parameter während der Nachverfolgungszeit bei gleichzeitig seltenen symptomatischen Nebenwirkungen. Trotz sehr ermutigenden Ergebnissen werden große plazebo-kontrollierte Doppelblindstudien empfohlen um das Medikament Botulinumtoxin (Botox®, Xeomin®) für diese Indikation zuzulassen.
Curr Opin Urol. 2010 Jan;20(1):28-36.
Botulinumtoxin zur vorbeugenden Behandlung bei Migräne
Juli 2009: Eine Studie der Medizinischen Hochschule Hannover untersuchte ob Botulinumtoxin-Injektionen die Frequenz und Stärke von Migräneanfälle senken kann. In der randomisierten Doppelblind-Studie wurde 127 Migräne-Patienten entweder Plazebo oder Botulinumtoxin injiziert. Die Migräne-Attacken der Plazebogruppe reduzierten sich durchschnittlich um 0.54 pro Monat, während die Anfallshäufigkeit in der Botulinumtoxin-Gruppe um 0.94 Attacken pro Monat gesenkt wurde. Die absolute Zahl der Anfälle betrug 3.6 in der Verum-Gruppe (Dysport®) und 4.2 in der Plazebo-Gruppe. Die Studie zeigt einen Trand, aber keinen statistisch signifikanten Effekt von Botulinumtoxin-Injektion zur vorbeugenden Behandlung gegen Migräneanfälle.
Author: Susanne Petri, Neurologische Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover, Germany
Eur Neurol. 2009;62(4):204-11. Epub 2009 Jul 20.
Vergleich von subkutanem Histamin mit Botulinumtoxin A in der Migräne-Prophylaxe
Januar 2009: Neurologen des General Hospital Colima in Mexico untersuchten 100 Migräne-Patienten nach einer prophylaktischen Therapie mit subkutan verabreichtem Histamin (n=50) oder nach einer Migräne-Prophylaxe mit 50 Einheiten Botulinumtoxin A (Botox) (n=50). In der vierten Studienwoche wurden die Daten erhoben. In allen untersuchten Parametern waren die Behandlungserfolge in beiden Patientengruppen signifikant erfolgreich. Botulinumtoxin A und der H3-Agonist waren gleich effizient und wurden gut toleriert.
Die Effekte von Botulinumtoxin A (BTx-A) - Injektion nach Schnarch-OP
Oktober 2008: Die Hals-Nasen-Ohren - Ärzte Yang und Jang der Universität Incheon, Südkorea, haben innerhalb von zwei Jahren 35 Patienten (Gruppe A) nach einer Straffung des Gaumensegels (Schnarch-OP) nach der Operation mit Botulinumtoxin behandelt. Einer Kontrollgruppe B (38 Patienten) wurde ein Placebo injiziert. Im Rahmen der Botox-Studie wurde das Schnarchen, die postoperativen Schmerzen und das Fremdkörpergefühl im Gaumen ausgewertet. Während das Schnarchen in beiden Gruppen signifikant reduziert auftrat, waren die Schmerzen und das Fremdkörpergefühl in der mit Botox behandelten Gruppe A deutlich reduziert, so dass die Patienten wesentlich weniger Schmerzmittel einnahmen.
Injektion von Botulinumtoxin in den Blasenmuskel bei überaktiver Harnblase
Juni 2008: Die Symptome einer überaktiven Harnblase kann die Lebensqualität von betroffenen Patienten erheblich einschränken. Bisher gibt es Standard-Therapien mit Anticholinergika und konservative Trainings-Methoden. Während die radikale chirurgische Therapie eher in der Vergangenheit angeboten wurde steht heute die Injektions-Therapie mit Botulinumtoxin zur Verfügung. 16 Patientinnen mit einem Alter von 38 bis 69 Jahren erhielten jeweils 1000 Einheiten Dysport in 40 Stellen des Blasenmuskels injiziert. Im Beobachtungszeitraum wurde die subjektive Zufriedenheit, die vermiedenen Toilettengänge, urodynamische Parameter und die Dauer des Effekts notiert. Eine Zufriedenheit mit der Botulinumtoxin-Therapie wurde in 81% erreicht. In 75% der Fälle wurde die Inkontinenz komplett geheilt und eine Kontinenz wiederhergestellt. Die Häufigkeit der Toilettengänge wurde von 15.8/24 h auf 5.5/24 h und die Frequenz des plötzlichen Harndrangs wurde von 7.7/24 h auf 0.8/24 h reduziert bei gleichzeitiger Steigerung des Urinvolumens von 151.9 ml auf 311.2 ml. Das zystometrisch bestimmte Blasenvolumen stieg von 151.9 ml auf 311.2 ml während der Detrusor-Druck von 31.0 auf 14.3 cm Wassersäule bei der urodynamischen Messung abnahm. Alle Parameter waren statitisch signifikant. Die Dauer des Botox-Effekts hielt 10.3 (6-13) Monate an. Während der Behandlung wurden keine Nebenwirkungen registriert.
(Krhut J, Kopecky J.) Urologicke oddeleni FN Ostrava-Poruba.
Botulinumtoxin gegen Schwitzen ohne Injektion
Mai 2008: Das Team um Dr. Khosro K. Kalantari von der Medizinischen Universität in Teheran hat acht Patienten mit Schweißhänden (palmare Hyperhidrosis) behandelt. Die positive Wirkung von Botox® auf krankhaftes Schwitzen ist lange bekannt und wird erfolgreich angewandt. Statt schmerzhaftem Spritzen bzw. vorherigen aufwändigen und risikobehafteten Leitungsanästhesien wurde als Applikationsform die Iontophorese benutzt. Das Schwitzen wurde nach 2 und 4 Tagen, 1, 2, 3, 4, 8 und 12 Wochen nach der iontophoretischen Einbringung gemessen und dokumentiert. Bei allen Patienten wurde über den kompletten Beobachtungszeitraum eine signifikante Verbesserung des Schwitzens erreicht. Die Wirkung trat schnell ein. Nebenwirkungen, wie Schmerzen oder Muskelschwäche, wurden nicht beobachtet.
Hoffnung bei inverser Psoriasis (Schuppenflechte)
April 2008: Dr. M. Zanchi aus Venedig hat 15 Patienten mit inverser Psoriasis mit Botulinumtoxin A behandelt. Die photodokumentierte Ausbreitung des Ekzems, der Juckreiz und die Schmerzen wurden vor der Botox-Behandlung und 2, 4 und 12 Wochen nach der Therapie bewertet. Alle Patienten empfanden eine Verbesserung der Symptome, bei 87% der Patienten besserten sich das Ekzem und Mazerationen objektiv. Weitere Studien bzgl. Botox-Behandlung bei Psoriasis mit größerer Zahl sind nötig um eine generelle Therapie-Empfehlung geben zu können.
Verbesserung der Durchblutung durch BTx
April 2008: In einer vergleichenden Studie von Dr. T. Kim und seinem Team von der Kyungpook National University in Daegu, Korea, wurde die Überlebensrate eines transplantierten Hautlappens gemessen. Das Transplantat der Botox-Gruppe erhielt eine intraoperative intradermale Injektion von 1,5 Einheiten Botulinumtoxin A, während die Vergleichsgruppe mit physiologischer Kochsalzlösung behandelt wurde. Das Transplantat in der Botox-Gruppe überlebte um 8,3% häufiger. In den mit Botulinumtoxin behandelten Geweben wurden mehr junge Gefäße nachgewiesen. Außerdem war der Durchmesser der Blutgefäße in dieser Gruppe größer. Durch Polymerasekettenreaktion wurden die Faktoren VEGF, PECAM1 und iNOS in vermehrter Konzentration in der Transplantatgruppe mit Botox-Behandlung festgestellt. Ursächlich für die verbesserte Mikrozirkulation durch das Toxin soll die Unterdrückung der Nervenimpulse des sympathischen Nervensystems sein.
Botulinumtoxin A verringert Ellenbogenschmerzen
April 2008: Dr. E. Oskarsson und sein Team von der Universität in Orebro in Schweden haben in einer Pilotstudie 10 Patienten mit einseitigen Schmerzen des Ellenbogens (laterale Epicondylitis) und nachgewiesener verringerter Durchblutung des M. extensor carpi radialis brevis mit Botox behandelt. Nach 3 und 12 Monaten wurden die intramuskuläre Durchblutung, Muskelstärke, Schmerzen und Laktatbildung jeweils mit der gesunden Seite verglichen. Statistisch signifikant wurde eine Verbesserung aller gemessenen Parameter durch die Behandlung mit Botulinumtoxin A festgestellt. Ursächlich für den verbesserten aeroben Stoffwechsel und Schmerzreduktion könnte die verbesserte Mikrozirkulation durch das Medikament sein.
Heilung von Analfissuren mit Botox®
April 2008: An der Universität von Rom hat das Team um den Chirurgen Dr. G. Brisinda 80 Patienten mit wiederkehrenden Analfissuren mit Botulinumtoxin A behandelt. Alle Patienten wurden zuvor mit der schulmedizinischen Methode der Sphinkterotomie operiert. An zwei Stellen des internen Sphinkters wurden die Botulinumtoxine Botox® (30 Einheiten) bzw. Dysport® (90 Einheiten) injiziert. Die Behandlung konnte vom Therapeuten nach zwei Monaten wiederholt werden, falls die Symptome anhielten. Zwei Monate nach der Botox-Behandlung heilte die Narbe bei 59 Patienten (74%), von den 21 nochmals Botox-behandelten Patienten berichteten 11 über eine spontan abklingende Flatulenz. Per anorektaler Manometrie wurde maximale Pressdruck und die Sphinkterspannung in Ruhe gemessen. Beide wurden statistisch signifikant effektiv durch Botulinumtoxin gesenkt. Botox® bei Analfissur
Schmerzlinderung im Gesicht durch Botox® und Dysport®
April 2008: Dr. D. Hartl am Gustave Roussy Institut in Villejuif, Frankreich, hat 19 Patienten mit strahleninduziertem Gesichtsschmerz und einem Krampf der Kaumuskulatur (Trismus) mit Botulinumtoxin (Botox und Dysport) behandelt. Es wurde keine aussagekräftige Besserung des Trismus (maximale Mundöffnung bleibt eingeschränkt), des sozialen und emotionlen Aspekts erreicht. Signifikant besserte sich jedoch der funktionelle Aspekt und die Schmerzen.
Heilung der Plantarfasziitis (Fersensporn-Krankheit) mit BTx A
Juli 2006: Am Zentrum für Muskuloskeletale Chirurgie der Charité -Universität Berlin wurden im Sinne einer Pilotstudie 25 Patienten mit Plantarfasziitis (landläufig: Fersensporn-Krankheit) mit dem Medikament Botulinumtoxin A behandelt. Anlass dieser Studie war die oft langwierige und unbefriedigende konservative und operative Therapie der Schmerzen der Fußsohle. Es sollte die Hypothese der schmerzhemmenden (analgetisch) und anti-entzündlichen (anti-inflammatorisch) Wirkung einer einmaligen Verabreichung von BTx A überrüft werden. Zur Teilnahme an der Studie mussten alle Patienten zwei erfolglos-konservative Versuche der Fersensporn-Behandlung hinter sich gebracht haben. Nach dem Therapie-Versuch mit Botulinumtoxin wurden die Schmerzen und die Kraft des Fußes und des Unterschenkels über 14 Wochen dokumentiert. Ergebnis: Sowohl der maximale Schmerz, wie auch die dauerhaften Schmerzen im Fußsohlen- und Fersenbereich wurden innerhalb von zwei Wochen nach der Injektion signifikant reduziert. 19 der 25 Patienten wurden mit einer höheren Dosis (200 Einheiten) des Medikaments Dysport behandelt. Bei diesen hielt der Effekt bis zum Ende des 14-wöchigen Kontrollzeitraums an. Nebenwirkungen wie Muskelschwäche oder systemische Reaktionen wurden nicht beobachtet. Die Fersensporn-Therapie mit BTx A ist eine Behandlungsoption für die chronische Plantarfaasziitis.